Sonstiges

Netzwerk – Digital und persönlich verbunden

Die Digitalisierung kann man ohne Zweifel als Revolution bezeichnen. Sie verändert die Welt und unseren Alltag in einem Tempo, das wir vor kurzem noch für unvorstellbar hielten. Manche verfolgen die Entwicklung begeistert und hecheln jeder Neuerung mit Freude entgegen. Andere fürchten die Veränderung, die ja auch angestammte Gewohnheiten und Abläufe stark beeinflusst, und suchen zumindest temporär im Mittelaltergewand Zuflucht beim nächsten historischen Spektakulum. Doch mit etwas Gelassenheit kann man die Digitalisierung auch einfach als Ergänzung betrachten.

Schon vor rund 50 Jahren sah man einen Mann namens Mr. Spock mit einem schnurlosen Telefon kommunizieren. Eine völlig abgefahrene Vorstellung damals. Spock lebte allerdings im Universum von Star Trek und war erstens nur zur Hälfte ein Mensch, zur anderen Hälfte war er Vulkanier. Und zweitens ist er nach Angaben seiner Schöpfer Jahrgang 2230, also seiner Zeit schon per se weit voraus. Ungefähr im gleichen Jahrzehnt erfand Daniel Düsentrieb ein Automobil, das von ganz allein fahren konnte. Der Erfinder Düsentrieb war auch kein richtiger Mensch, sondern ein vermenschlichtes ­Federtier, vermutlich ein Huhn. Als Visionär hat er es aber zu allgemeiner Bekanntheit weit über die Grenzen Entenhausens hinaus geschafft. Damals war das Science-Fiction und Comic. Inzwischen ist es Realität, haben auch Leute mit weniger spitzen ­Ohren Smartphones. Und autonomes Fahren ist zumindest technisch vollständig umsetzbar. Jeder und alles ist vernetzt und kommuniziert mit­einander.

Ein Leben ohne Internet? Unvorstellbar!

Es ist auch noch gar nicht so lange her, dass Eltern auf die ­Frage, was denn der Sohnemann nun beruflich macht, ­antworteten: Irgendwas mit Medien. Als Medien wurden bis ­dahin Fernsehen und Radio bezeichnet, im weiteren Sinne ­vielleicht auch noch die Zeitung, die allerdings eher mit dem Begriff Presse gleichgesetzt wurde. Vergangenheit. Wer heute von TV spricht, meint damit das so genannte lineare Fernsehen, also ein herkömmliches Programm. Daneben gibt es Streams, Podcasts, Blogs und unzählige andere Formate. Inzwischen ist das Internet so allgegenwärtig und selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Diese moderne digitale Welt gibt es erst seit 30 ­Jahren. Manch einer mag sich noch an die schnarrende und knarzende Datenübertragung eines Modems ­erinnern. Und erst seit etwa 10 Jahren gibt es das Internet als mobile Version. Doch wir haben sie bereits als Lebensart inhaliert. Rund 2 Milliarden Menschen sind im Internet ­unterwegs. Tendenz sicherlich steigend. Und könnte man das Internet per Knopfdruck abschalten, es würde die Welt ins Chaos stürzen.

Manche dieser Eltern von damals sind heute Großeltern und bewegen sich als „digital immigrants“ größtenteils zielsicher durchs Web. Und sie sind auch in den sozialen Netzwerken aktiv – vor allem, weil das der sicherste Weg ist, mit den Enkeln in Kontakt zu bleiben, die ihrerseits „digital natives“ sind.

Das Web als großes ­Gemeinschaftsprojekt

Es ist schon eine großartige Sache, dieses digitale Netz. Es bringt einem die Welt ins Wohnzimmer. Es erleichtert es uns, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben oder auch in Kontakt zu treten und sei es nur durch einen virtuellen Post. Es liefert Informationen zu allem. Wer ein ­Problem hat, befragt erst einmal das Netz und findet dort ziemlich sicher Hilfe, denn im Internet sind wir schließlich alle Nachbarn. Irgend­jemand hat dort die Lösung beschrieben oder sogar als Video hochgeladen. Und wenn in dem ganzen ­Netzwerk tatsächlich keine Lösung zu finden ist, dann findet man ganz sicher ähnlich verzweifelte Avatare, die die gleiche Frage schon früher gestellt haben – und so weiß man immerhin, dass man damit nicht ­alleine ist. Tja, und wenn alles nichts hilft, dann liefert das Netz den ­Kontakt zu einem Fachmann.

Das Schöne an diesem unglaublichen globalen Gemeinschaftsprojekt ist doch, dass jeder zur Entwicklung des Internets beiträgt, mit jedem Post, ­jedem Tweet, jeder Ebay-Bewertung, jedem Video- oder Audio-Stream. Aber natürlich kann man sich im ­Internet auch verheddern. Das sehen manche als Kehrseite der Medaille. Als Gefahr, sich im digitalen Raum aus der realen Welt zu verabschieden.

Leidet unser analoges Leben wirklich?

Aber ist das so? Gehen uns Teile ­unseres analogen Lebens verloren? Persönliche Gespräche, Freude an der Natur, der Genuss von Ruhe und Einsamkeit? Wer kann das schon abschließend sagen. Im düsteren Mittelalter sagte man, die Menschen könnten nicht mehr richtig lesen. Dann kam die Renaissance. Klar ist es bequem zum Einkaufen oder für Bankgeschäfte unabhängig von Öffnungszeiten zu sein. Doch man sollte sich bei dem Begriff Netzwerk nicht zu sehr auf das Internet versteifen, auch wenn dieses elektronische Kommunikationsnetzwerk heutzutage eine zentrale Rolle spielt. Eine Bewerbung wird mittlerweile fast nur noch online verschickt, das Vorstellungsgespräch findet aber ­face-to-face statt. Überweisungen und Daueraufträge werden per ­Online-Banking getätigt. Vor dem Abschluss eines Kreditvertrages spricht man aber doch lieber nochmal mit einem persönlichen Berater.

Ein Avatar ist eben kein ­Freund

Technisch ist es auch möglich mit der richtigen Spielekonsole im Wohnzimmer zu kegeln oder Tennis zu spielen, zu boxen oder die Fußball-WM auszuspielen, alles ohne das Haus zu verlassen. Wer will kann sich die ­Getränke dazu sogar noch online ­bestellen. Aber ganz ehrlich, man muss schon ein ganz ausgewiesener Nerd sein, wenn man sich danach mit dem digitalen Sportsfreund zum Bier hinsetzt. Bei aller künstlichen ­Intelligenz, was kann ein Avatar einem schon erzählen? Apples Siri mag sich nett anhören, strahlt aber wenig Wärme aus. Und fragt man Cortana, das Gegenstück für Android, nach einem Witz kommt: „Sagt die 0 zur 8: Schicker Gürtel.“ Der zweite Versuch wird zwar schon ­etwas geistreicher („Wo wohnen Katzen? Im Miezhaus.“) aber letztlich ist es Cortana doch ziemlich egal, ob man darüber lacht. Echte Ansprache ist anders.

Überhaupt zeigt sich gerade im Sport, dass bei aller Individualisierung und digitalen Parallelwelt der Mensch ganz offensichtlich doch die Nähe ­zu seinen Mitmenschen sucht. Man mag sich digital verabreden, aber man schwitzt miteinander und neben­einander. Kaum ein Fitness-Studio, das nicht auch über eine weitläufige Bar für das Gespräch mit Gleichgesinnten verfügt. Das Gemeinschaftserlebnis der meisten Sportarten ist ­digital nicht zu toppen. Es gibt eben doch nichts Besseres als nach dem Spiel mit den Mannschaftskollegen zusammen den Sieg zu feiern. Das Motto „11 Freunde müsst ihr sein“ gilt zumindest im Amateur-Bereich noch immer. Und das ist dann ein Netzwerk, auf das man sich verlassen kann.

 

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