Sonstiges

Spielend gesund werden

Der Aufenthalt im Krankenhaus ist für viele Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern ein einschneidendes Ereignis. Um den jungen Patienten ein kleines Stück Normalität zu bieten, unterstützen wir mit unserer Stiftung Aufwind schon seit vielen Jahren die Angelika-Lautenschläger Klinik in Heidelberg mit Spielzimmern und einer Vorschulförderung. Der Leiter der Klinik Kinderheilkunde I, Prof. Dr. Hoffmann, hat uns in einem Interview von den Herausforderungen und Besonderheiten an der Klinik erzählt.


PSD: Herr Prof. Dr. Hoffmann, bitte beschreiben Sie uns die Klinik kurz.

Herr Prof. Dr. Hoffmann: Unser Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin ist eine große Einrichtung für alle Spezialitäten der Kinder- und Jugendmedizin. 1860 ist sie als eine der ersten in ganz Deutschland gegründet worden und zählt zu den führenden Einrichtungen in diesem Bereich mit einer Ausstrahlung oft auch über Deutschland hinaus. Wir behandeln alle Krankheiten, die es auch beim Erwachsenen gibt – leider natürlich – und verfolgen wirklich alle Spezialitäten auf sehr hohem Niveau. Ob das Kinderkrebs ist, Kinder-Herzbehandlungen, Stoffwechselerkrankungen und selbst intrauterine Operationen, wo bestimmte Defekte schon im Mutterleib korrigiert werden.

PSD: Worin bestehen die Herausforderungen für dieses Zentrum?

Wir sind sicher bundesweit eine von, wenn überhaupt, zwei Kliniken, die das ganze Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin abbilden. Besondere Herausforderungen sind einerseits die vielen neuen Therapien, die sich aufgrund des medizinischen Fortschritts entwickelt haben und  die bei uns auch gleich an Kindern angewendet werden, z. B. gerade im Krebsbereich die europaweit einmalige Schwerionen-Therapie bei Hirntumoren oder neue genetische Therapien. Die zweite Herausforderung ist auch, dass der Einzugsbereich immer größer wird. Umliegende Kliniken lassen diese ganzen besonderen Spitzenleistungen bei uns machen, wodurch wir immer weiterwachsen.


PSD: Wie wichtig sind die Spielzimmer vor Ort?

Herr Prof. Dr. Hoffmann: Spielzimmer sind für die moderne Kinder- und Jugendmedizin essenziell und ganz wichtig für die Gesundheit, aber eben auch für die parallel laufende Entwicklung der Kinder. So etwas richtig gut zu gestalten ist in den normalen Krankenhausplänen nicht vorgesehen. Zumindest nicht in der Qualität, wie wir das damals mit der Stiftung Aufwind in intensiven Gesprächen realisieren konnten. Das ist jetzt acht Jahre her, dass wir gemeinsam ein Spielzimmer geplant haben, welches nicht Luxus ist, aber ideal auf die Kinder unterschiedlicher Altersstufen in dieser Situation zugeschnitten.
Wie in den Elternzimmern herrscht hier ein Stück Normalität, wo man spielen und Kind sein kann.

PSD: Wie kann man sich die Förderangebote vorstellen?

Herr Prof. Dr. Hoffmann: Wir haben Kinder aller Altersgruppen bei uns, auf die wir uns mit dem psychosozialen Team eingestellt haben. Ein großer Bereich ist die Schule, aber ganz wichtig ist auch die Vorschule. Die kleinen Patienten werden kontinuierlich und pädagogisch hoch qualifiziert gefördert, auch individuell. Es ist zwar immer noch keine Schule, aber es finden schon durchaus Elemente dieser statt. Auch feinmotorische und sprachliche Fähigkeiten werden hier entwickelt.

PSD: Inwiefern setzt sich die Stiftung Aufwind ein?

Herr Prof. Dr. Hoffmann: Die Krankenkassen bezahlen wirklich alle unsere Therapien, aber nicht unbedingt soziale Förderungen von Kindern und Jugendlichen. Der Stiftung Aufwind ist ganz besonders zu danken, dass sie auch gerade unsere Arbeit inzwischen seit über zehn Jahren und in ganz zentraler und wichtiger Form unterstützt. Es sind große Projekte, ohne die wir hier diese Arbeit nicht so machen könnten. Ich weiß, es gibt viele Bereiche, in denen man segensreich tätig sein kann, aber hier haben wir ein wirklich langfristiges Engagement mit einem großen Herzen und großen Mitteln.

PSD: Danke!

Zur Person

Prof. Dr. med., Prof. h.c. mult. (RCH) Georg F. Hoffmann ist 1957 in Goslar geboren, hat fünf Kinder und ist verheiratet. Nach seinem Studium der Humanmedizin promovierte er 1984 mit Auszeichnung und wurde 1991 anerkannter Kinderarzt. Seit 1999 ist er Leiter der Klinik Kinderheilkunde I sowie geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Er ist Sprecher der Screeningkommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Vorsitzender des Zentrums für Seltene Erkrankungen (ZSE) Heidelberg. Hoffmann genießt hohes wissenschaftliches Ansehen.
vorheriger Artikelnächster Artikel