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„Ich möchte erfahren, was die Menschen bewegt.“ Interview mit Norman Bücher

Er stellt sich nicht nur den größten sportlichen Herausforderungen, sondern hat sich auch als Vortragsredner und Buchautor einen Namen gemacht: Der Extremsportler Norman Bücher nahm bereits an unzähligen Ultramarathonläufen teil und war auf eigenen Laufabenteuern in der ganzen Welt unterwegs. Für ein Interview mit uns hat er sich eine kurze Pause genommen und uns in seine Heimat bei Waldbronn eingeladen.

PSD: Norman, was schätzt du an unserer Region am meisten?

Bücher: Den Bezug zur Natur. Ob Karlsruhe, Ettlingen oder Waldbronn: Man findet zwischen Wäldern und Feldern schnell Ruhe, um vom hektischen Alltag auch mal abzuschalten. Ich bin zum Beispiel gerne auf dem Wattkopf oben und genieße es, eine halbe Stunde einfach nichts zu tun. Das ist für mich Lebensqualität.

PSD: Du bist ja auch viel unterwegs. Was vermisst du denn, wenn du nicht zu Hause bist?

Bücher: Es ist der Mix aus Lage, Naturverbundenheit und den Menschen, die hier leben. Das schätze ich auch besonders, wenn ich auf anderen Kontinenten unterwegs bin. Ich komme immer wieder gerne zurück, weil ich mich hier einfach wohl fühle.

PSD: Was war für dich bis jetzt die größte Herausforderung auf deinen Reisen?

Bücher: Sportlich war das wohl „Run to the Rock“. Da bin ich vor sechs Jahren einmal durch das australische Outback gelaufen. Das waren über 1.000 Kilometer in nur zwei Wochen, also jeden Tag im Schnitt zwei Marathons bei teilweise 40 Grad.

PSD: Lockt dich nach so einer Erfahrung ein Marathon bei uns in der Region dann trotzdem noch?

Bücher: Klar, ich finde zum Beispiel den Baden Marathon jedes Jahr schön. Es ist klasse durch die Heimat zu laufen und viele Menschen zu treffen. Ich sehe darin weniger eine sportliche Herausforderung, sondern vielmehr den sozialen Aspekt daran.

PSD: Was hat es mit deinem neuesten Projekt „7 Continents“ auf sich?

Bücher: Das ist mein Lebensprojekt. Ich möchte den jungen Menschen auf dieser Welt eine Stimme geben. Die nächsten sieben Jahre werde ich auf allen Kontinenten als Jugendbotschafter laufen. Im Gepäck habe ich sieben Fragen, die ich den jungen Leuten auf der ganzen Welt stelle. Da geht es um Natur, Glück, Träume, eine Botschaft an die großen Staats- und Regierungschefs, aber auch um Ängste. Ich möchte durch Gespräche auf den Straßen, in Schulen oder Universitäten erfahren, was die Menschen bewegt. Die gesammelten Antworten werde ich dann 2024 zur UN nach New York tragen.

PSD: Du thematisierst in deinen Vorträgen auch, was du in der Welt erlebst. Wie bist du dazu gekommen?

Bücher: Als ich in den letzten Jahren von meinen Abenteuern zurückkam, hatte ich immer das Gefühl, dass mir neben dem Sportlichen allein irgendwie etwas fehlt. Und da ich einigermaßen gut sprechen und einigermaßen gut laufen kann, habe ich einfach beides verbunden. So ist das dann zu meinem Lebenssinn geworden.

PSD: Und was gibst du deinen Zuhörern mit auf den Weg?

Bücher: Du kannst vom Laufsport viel lernen. Es geht nicht darum, dass man unbedingt anfangen muss zu laufen, sondern Visionen und konkrete Ziele zu haben. Die persönliche Weiterentwicklung hat für mich damit zu tun, seine persönliche Grenze auch mal zu verschieben, um zu wachsen.

PSD: Ganz nebenbei hast du ja auch noch einige Bücher geschrieben. Um was geht es darin?

Bücher: Es sind ehrliche, authentische Geschichten des Lebens. Darin erzähle ich auch – und das finde ich besonders wichtig – vom Scheitern und von Rückschlägen. Denn genau das ist es, was einen Menschen und seine Persönlichkeit so besonders macht. In meinen Büchern und Vorträgen möchte ich das vermitteln

PSD: Du meinst also, dass man als Motivationsredner auch mal gescheitert sein muss?

Bücher: Unbedingt.

PSD: Vielen Dank für das Interview, Norman!

 

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