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Saeid Fazloula – Zu Fuß nach Deutschland, im Kanu an die Weltspitze

Saeid Fazloula flüchtete 2015 aus dem Iran nach Deutschland und hat nun seine neue Heimat in Karlsruhe gefunden. Seitdem ist der talentierte und sympathische Kanute auch bei den Rheinbrüdern Karlsruhe am Rheinhafen in Daxlanden am Start und hat dort als großes Ziel Olympia vor Augen.

PSD: Wie bist du zum Kanusport gekommen. Wie alt warst du da?
Saeid: Da war ich neun oder zehn Jahre alt, glaube ich. Mein Papa hat damals im Iran in einem Hafen gearbeitet. ­Dadurch habe ich oft Kanusportler gesehen und wollte das auch probieren. Am Anfang durfte ich das aber ­natürlich nicht, weil ich noch nicht schwimmen konnte.

PSD: Und was begeistert dich so daran?
Saeid:  Ich denke es liegt in meinem Blut, da ich damit aufgewachsen bin. In meiner Heimatstadt siehst du mittags ­alle mit Rucksack und Paddel zum Verein laufen. Es ist ein Natursport, der mich einfach beruhigt.

PSD: Deine Geschichte ist ja auch nicht ganz alltäglich. Was hat dich dazu bewegt, deine Heimat zu ­verlassen?
Saeid: Ich war damals bei der WM in Mailand und habe dort wie fast jeder Tourist natürlich auch den Dom besucht, um ein paar Bilder zu machen. Anscheinend wurde ich dabei von jemandem verfolgt, der extra zur Sicherheit die iranische Nationalmannschaft nach Mailand begleitete. Bei meiner Rückkehr hat man mich dann noch am Flughafen im Iran verhaftet und mir vorgeworfen, ich wolle konvertieren. Ich kann das alles immer noch nicht richtig glauben – bis dahin war ich in meiner Heimat ­erfolgreich und konnte Goldmedaillen gewinnen. Und jetzt wollen sie mich nach all dem plötzlich wieder ­zurückhaben, damit ich für sie fahre.

PSD: Aber das ist für dich keine Alternative mehr?
Saeid: Auf gar keinen Fall!

PSD: Und wie bist du anschließend nach Deutschland ­gekommen?
Saeid: Zu Fuß. Wir sind über Nacht gelaufen und haben tags­über geschlafen, damit wir nicht entdeckt werden. Das Schlimmste war zu wissen, dass die Soldaten an der Grenze schießen dürfen. Wir haben das gehört und auch gesehen. In der Türkei angekommen mussten wir dann in einem großen Schlauchboot mit 60 Personen nach Griechenland fahren. Und von dort ging es dann schließlich weiter bis nach Karlsruhe.

PSD: Du hast ja auch eine Zeit lang bei den Rhein­brüdern gewohnt. Was bedeutet dir dieser Ort?
Saeid: Als ich Ende 2015 nach Karlsruhe kam, musste ich zuerst in einer Flüchtlingsunterkunft wohnen und mir dort ein Zimmer mit mehreren Personen teilen. Das war sehr schwer für mich, da ich zum einen als Sportler einen ­geregelten Tagesablauf habe und es mir zum anderen im Iran an nichts fehlte. Detlef Hofmann hat davon ­gewusst und schließlich gemeint, dass ich hier am ­Bundesstützpunkt bei den Rheinbrüdern einziehen darf.

PSD: Wie dankbar bist du Detlef und den Rheinbrüdern denn?
Saeid: Ich finde keine Worte dafür. Detlef ist für mich wie ein zweiter Vater und was die Rheinbrüder alles für mich ­getan haben, hat der ganze Iran nicht für mich gemacht.

PSD: Was machst du denn so, wenn du mal nicht im Kanu sitzt?
Saeid: Ich habe eigentlich nicht viel Zeit für Hobbys, da ich ­nebenbei noch eine Ausbildung zum Sport- und ­Fitnesskaufmann mache, mittlerweile schon im zweiten Lehrjahr.

PSD: Was bedeutet „Heimvorteil“ für dich?
Saeid: Da denke ich vor allem an meine Eltern, die noch im Iran leben und die ich sehr vermisse. Insbesondere in schwierigen Phasen wie der Olympiavorbereitung tut mir das weh. Meine Mama durfte ich das letzte Mal vor eineinhalb Jahren in Belgrad sehen, aber meinen Papa leider immer noch nicht.

PSD: Hast du bestimmte Ziele für die Zukunft?
Saeid: Mein großes Ziel ist natürlich Olympia, aber das hängt vom Internationalen Olympischen Komitee ab. Ansonsten wären da noch die Deutschen Meisterschaften und ­internationale Regatten.

PSD: Vielen Dank für das Interview, Saeid!

 

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