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Henning Fritz – Von Leistung und Leidenschaft

Weltmeister, Welthandballer, Motivationscoach: Henning Fritz hat in seinem Leben schon einiges erreicht – auch wenn seine Karriere nicht nur aus Sternstunden bestand. In einem lockeren Interview mit Kevin Gerwin hat Henning uns viel über seine aktive Zeit als Handballer in der Nationalmannschaft und bei den Rhein-Neckar Löwen erzählt.

PSD: Warst du schon von Anfang an Handballer aus Leidenschaft oder hast du auch mal mit einer ­anderen Sportart geliebäugelt?

Henning: Wie viele Jungs habe ich früher ­natürlich auch gerne Fußball gespielt, aber es hat sich relativ schnell herauskristallisiert, dass ich zum Handball gehe. Schon bei meiner ersten Begegnung mit dem Handball in einer Schul-AG ist die Entscheidung für meine Position als Torwart gefallen.

PSD: Und was begeistert dich so daran?

Henning:  Ich denke es liegt in meinem Blut, da ich damit aufgewachsen bin. In meiner Heimatstadt siehst du mittags ­alle mit Rucksack und Paddel zum Verein laufen. Es ist ein Natursport, der mich einfach beruhigt.

PSD: Deine damalige Entscheidung zu den Rhein-Neckar Löwen zu wechseln hast du ja offensichtlich nicht bereut, oder?

Henning: Nein, ich habe hier viel neues gelernt und umso mehr freut es mich zu ­sehen, wie sich die Löwen weiterentwickelt haben. Ich halte es in einem Umfeld mit großem Sport- und Freizeitangebot für eine große Herausforderung, diese schöne, große SAP Arena über einen langen Zeitraum zu füllen, was den Löwen besonders in den Jahren ihres Meistertitels gut gelungen ist.

PSD: Wie oft wirst du heute noch oft auf die WM 2007 angesprochen? Ist das manchmal anstrengend?

Henning: Es gibt natürlich gewisse Anlässe, an denen das Thema wieder vermehrt aufkommt, aber ich erinnere mich da immer gerne daran. Jetzt habe ich das Privileg, einen Traum leben zu dürfen und damit noch erfolgreich zu sein. Und wenn ich damit jemanden begeistern oder inspirieren kann, dann rede ich darüber auch gerne zehn Mal am Tag und mehr.

PSD: Dein Weg war ja nicht nur von Höhen geprägt. In welcher ­Situation hast du dich vor der ­damaligen WM wiedergefunden?

Henning: Ich habe relativ früh viel Handball spielen dürfen und habe mit 14 Jahren schon zweimal am Tag trainiert. Danach hatte ich sehr viele Spiele mit dem THW Kiel und der Nationalmannschaft. Das Thema Regeneration gab es damals noch nicht, da galt noch die alte Marschroute „viel bringt viel“. Und wenn du auf der ­Erfolgswelle schwimmst, nimmst du eine annähernde Überbelastung auch nicht so schnell wahr. Ich ­merkte dann in der laufenden Saison 2005, dass nicht mehr alles so selbstverständlich ist. Die Leistung war nicht mehr da und so kam es, wie es kommen sollte: ich war auf einmal Nummer drei. Umso mehr freute es mich, dass Heiner Brand mir trotzdem vertraute und ich der Mannschaft dafür Leistung liefern konnte.

PSD: Denkst du, dass diese Über­forderung im Spitzensport viel verbreiteter ist?

Henning: Mit Sicherheit. Jeder kompensiert das natürlich anders. Wenn in anderen Sportarten ein Spieler über einen ­langen Zeitraum auf einem hohen ­Niveau gespielt hat und dann auf einmal die Leistung nicht mehr ab­gerufen werden kann, wird oft das Argument gebracht: naja, er wird halt schon langsam älter. Dieses ­Argument würde ich niemals gelten lassen.

PSD: Du hast auch an einem neuen Buch mitgeschrieben. Um was ­genau geht es da?

Henning: Das Buch „Powern & Pausieren“ beschreibt, wie wichtig es ist Pausen zu machen – nicht nur im Spitzensport. Zusammen mit meinen beiden ­Mitautoren möchten wir den Lesern einen Mehrwert bieten und ihnen aufzeigen, was sie tun können, um langfristig leistungsfähig zu sein.

PSD: Gibt es eine zentrale Empfehlung für Entschleunigung?

Henning: Wer gezielt eine Pause macht, ist ­clever. Auch der Spitzensportler macht eine Pause, um danach wieder Leistung zu bringen. Was einem gut tut ist dabei ganz individuell. Für den einen ist es gut, sich einfach mal mit geschlossenen Augen hinzusetzen, für den anderen ist es ein Spaziergang. Man sollte die Pausen, die man zwischendurch für sich hat, ganz ­bewusst nutzen.

 

 

 

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